Erst vor kurzem war ich in einer Jugendfreizeiteinrichtung in Berlin, um gemeinsam mit dem Team die Konzeption zu überarbeiten.
„Konzeption“. Klingt erstmal nach vielen Seiten Papier, langen Sitzungen und einer Menge Kaffee. Manche stellen sich darunter etwas Trockenes, Langweiliges oder gar reine Selbstdarstellung vor.
Aber weit gefehlt!
Es darf diskutiert werden und kritische Stimmen sind willkommen. Aber die Konzeptionsarbeit darf auch Spaß machen.
Aber warum eigentlich Konzeptionsarbeit?
Eine Konzeption ist mehr als ein Dokument, das irgendwo im Regal steht und bei Bedarf hervorgeholt wird, wenn der Träger oder vielleicht sogar mal ein Elternteil danach fragt.
Sie ist die verbindliche schriftliche Grundlage einer Einrichtung. Sie beschreibt Richtlinien und Leitideen für die konkrete pädagogische Arbeit und gibt den Mitarbeitenden Orientierung im Alltag.
Kurz gesagt beschäftigt sich eine gute Konzeption mit den Fragen:
Was machen wir?
Wozu machen wir es?
Für wen machen wir es?
Wie machen wir es?
Und womit?
Sie beschreibt Ziele, Strukturen und Angebote und macht sichtbar, was das besondere Profil einer Einrichtung ausmacht. Damit ist sie gleichzeitig ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung.
Und genau hier wird es spannend. Es geht also nicht darum aufzuschreiben, wie toll man gerne arbeiten würde oder welche pädagogischen Ideale auf dem Papier besonders gut klingen. Entscheidend ist vielmehr die gelebte Praxis wie z.B.
Was ist für die Kinder und Jugendlichen wirklich wichtig?
Was benötigen die Mitarbeitenden, um gute Arbeit leisten zu können?
Und was sollte auch für die Öffentlichkeit sichtbar sein?
Die Konzeption bringt diese unterschiedlichen Perspektiven zusammen und beschreibt die zentralen inhaltlichen Schwerpunkte der Einrichtung.
Jede Konzeption ist einzigartig
Und genau deshalb kann man eine Konzeption auch nicht einfach von einer anderen
Einrichtung kopieren. Was in der einen Einrichtung hervorragend funktioniert, muss für die nächste noch lange nicht passen. Jede Einrichtung hat ihre eigenen Menschen, Räume, Möglichkeiten, Geschichten, Herausforderungen und Stärken.
Die gemeinsame Arbeit daran ist deshalb vor allem eine spannende Suche:
Was macht uns eigentlich aus?
Was können wir besonders gut? Was ist uns wichtig? Was unterscheidet uns von anderen? Und woran würden Kinder, Jugendliche, Eltern oder Kooperationspartner merken, dass sie gerade bei uns sind?
Das eigene Profil sichtbar zu machen, kann richtig Spaß machen. Und manchmal sorgt gerade die Diskussion darüber, was man eigentlich tut und warum man es tut, für überraschende Erkenntnisse und den einen oder anderen Lacher.
Was bringt das Ganze?
Eine gute Konzeption hat mehr Wirkung, als man vielleicht zunächst denkt. Sie schafft unter anderem:
- Qualitätsorientierung – Was wollen wir erreichen und woran erkennen wir gute Arbeit?
- Prozessorientierung – Wie entwickeln wir unsere Arbeit weiter?
- Verbindlichkeit – Was ist uns wichtig und woran halten wir uns?
- Transparenz – Was tun wir eigentlich und warum?
- Motivation und Arbeitszufriedenheit – Was macht unsere Arbeit sinnvoll und was verbindet uns als Team?
Gerade der letzte Punkt wird manchmal unterschätzt. Wenn ein Team gemeinsam über die eigene Arbeit nachdenkt, entsteht nicht nur ein Papier. Es kann auch ein gemeinsames Verständnis davon entstehen, wofür man eigentlich jeden Tag zur Arbeit geht.
Was gehört eigentlich in eine Konzeption?
Natürlich gibt es typische Bestandteile. Dazu gehören beispielsweise:
- Organisatorische Grundlagen: Wer ist der Träger? Wie wird die Einrichtung finanziert? Welche rechtlichen Grundlagen sind relevant?
- Rahmenbedingungen: Wie sehen die Räumlichkeiten und das Außengelände aus? Wann ist geöffnet? In welchem Sozialraum befindet sich die Einrichtung? …
- Ziele und Grundprinzipien: Wofür stehen wir? Welche Haltung ist uns wichtig?
- Adressatenbezogene Arbeitsschwerpunkte: Welche Angebote und Arbeitsbereiche gibt es für Kinder, Jugendliche?
- Institutionsbezogene Schwerpunkte: Wie arbeiten wir mit anderen Einrichtungen, Diensten und Kooperationspartnern zusammen?
- Schutz und Qualität: Wie gehen wir mit Beschwerden um? Was beinhaltet unser Schutzkonzept? Welche Regeln gelten für Datenschutz und Qualitätssicherung?
Darüber hinaus gibt es natürlich noch Spielraum.
Wer möchte, kann ein Vorwort schreiben. Das Leitbild kann ausführlicher betrachtet werden. Auch die Grenzen der eigenen Arbeit dürfen benannt werden. Und ein Ausblick darauf, wo die Reise hingehen soll, kann ebenfalls sinnvoll sein.
Denn eine Konzeption ist schließlich keine Bedienungsanleitung, die man einmal schreibt, abheftet und dann für die nächsten 20 Jahre nicht mehr anschaut.
Eine Konzeption ist nie „fertig“
Eine Konzeption ist niemals endgültig abgeschlossen. Einrichtungen entwickeln sich weiter, Teams verändern sich, Kinder und Jugendliche haben andere Bedürfnisse. Gesellschaftliche Bedingungen verändern sich. Neue gesetzliche Anforderungen kommen hinzu. Angebote entstehen, andere verschwinden. Deshalb ist auch die Konzeption ein dynamischer Prozess. Sie darf regelmäßig überprüft, hinterfragt und weiterentwickelt werden.
Also: Beim nächsten Mal, wenn jemand bei „Konzeptionsarbeit“ an trockene Texte und endlose Besprechungen denkt, einfach widersprechen. Konzeptionsarbeit kann nämlich ziemlich lebendig sein. Und ja, gelacht werden darf dabei ausdrücklich auch.
